Ursprung und Entstehung von Jiu-Jitsu

Was den Ursprung von Jiu-Jitsu betrifft, so ist es ein Märchen, wenn gesagt wird, diese Kampfkunst werde seit 2500 Jahren in Japan praktiziert. In Wahrheit ist Jiu-Jitsu chinesischen Ursprungs. Es ist aber unbestreitbar ein Verdienst der Japaner, Jiu-Jitsu als Vorläufer des Judo populär gemacht zu haben. China vermittelte Japan als seinen Kulturnachbar den Wandel der Weltkultur aus Zentralasien und sogar aus Europa. Bis zum 8. Jahrhundert stand Japan unter dem Einfluß der indischen und chinesischen Hochkultur und war allem chinesischem zugänglich. So ist es nicht verwunderlich, daß chinesische Kaufleute und Mönche das Jiu-Jitsu mit nach Japan brachten.

Gepflegt wurde das Jiu-Jitsu besonders von der japanischen Ritterkaste, den Samurai. Der kostbarste Besitz der Samurai waren ihre Schwerter. Nur sie hatten das Recht, zwei Schwerter zu tragen. Ein kaiserliches Dekret verbot es den Samurai einige Zeit die Schwerter zu tragen. Sie übten sich daraufhin noch intensiver in der Kunst des Jiu-Jitsu und vervollkommnten es noch. Mit dem Niedergang des Ritterordens der Samurai verlor Jiu-Jitsu seine Bedeutung. Es kam schließlich eine Zeit, in der nur noch wenige Japaner Kenntnis von Jiu-Jitsu hatten. Seinen Aufschwung machte das Jiu-Jitsu wieder durch Bemühungen eines Deutschen!

Professor Dr. Erwin Bälz, der etwa in der Zeit von 1876-1902 Dozent an der Kaiserlichen Universität in Tokio war und zu dessen Schülern auch Jigoro Kano zählt, hatte Vorführungen des bereits 70 Jahre alten Jiu-Jitsu Lehrers Totsuka gesehen und war davon so angetan, daß er seinen Schülern diese übungen zur Körperertüchtigung empfahl. Wie in allen Dingen, so gibt es auch im Budosport und hier speziell im Jiu- Jitsu vielerlei Geschichten, die sich mit der Entstehung befassen. Die nachfolgende ist eine davon, aber auch die am meisten verbreitete: Erich Rahn Der japanische Arzt Yoshitoki erlernte in China die Kunst des waffenlosen Zweikampfes und stellte fest, dass man zur wirkungsvollen Ausführung der Techniken erhebliche Körperkräfte benötigt. Nach Japan zurückgekehrt, beobachtete er an einem Wintertag bei starkem Schneefall einen Kirschbaum und eine Weide. Während die starren Äste des Kirschbaumes brachen, bog die Weide ihre Äste geschmeidig unter der Last und blieb unbeschädigt. Durch diese Beobachtung aufmerksam geworden, kam Yoshitoki-San auf die Idee, ein Kampfsystem zu entwickeln, bei dem der Schwächere durch Nachgeben, entsprechend dem Geist der Weide, siegen könnte. Yoshitoki-San zog sich in einen Tempel zurück und entwickelte dort 103 Griffe zur Selbstverteidigung. Es beinhaltet die Abwehr eines Angriffs unter Ausnutzung von Hebelgesetzen und anatomischen Kenntnissen der Schwachstellen des menschlichen Körpers.

Im Jahr 1905 wirbt Dr. Erich Bälz nach seiner Rückkehr aus Japan für Jiu-Jitsu. 1906 gründete Erich Rahn die erste Jiu-Jitsu Schule in Berlin, die noch heute besteht. 1910 unterrichtet Erich Rahn in der BRD die Berliner Kriminalpolizei. Rahn und der Japaner Higashi traten sogar im Zirkus auf und nahmen dort Herausforderungskämpfe gegen Jedermann an. Jiu-/Ju-Jitsu ist eine jap. Selbstverteidigung und heute Wettkampffrei. Man übt Griffe und Techniken zur Verteidigung wie Würfe, Hebel, Transportgriffe. Außerdem werden sog. Atemi (=Schlagtechniken gg. vitale Punkte des menschl. Körpers) gelehrt. Diese Sportart kann bis ins hohe Alter von Personen beiderlei Geschlechts ausgeübt werden und man lernt trotzdem nie aus. Aus Jiu-Jitsu entwickelte sich Ende des vorigen Jahrhunderts der Wettkampfsport Judo.

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